Ich bin jetzt schon fast 6 Monate auf dieser Welt. Und ebenso lange heisse ich Jasmin. Meine Eltern fanden, dass das ein schöner Name für ein Mädchen wie mich ist. Ich bin ganz zufrieden damit. Solange ich nicht Elfriede oder Alma heissen muss, ist es ok.
Viele Erwachsene meinen, dass ein Menschlein in meinem Alter noch überwiegend zu schlafen und zu essen hat, aber meine Eltern und ich sind da anderer Meinung. Vielleicht mag es den Anschein haben, dass ich wirklich den lieben langen tag nix auf die Reihe krieg und oft einfach nur herumliege. Das ist natürlich nur äußerlich. Ich kann ja mal erzählen, was ich heute so getrieben habe.
Also, der erste Hammer war schon mal heute Nacht, dass ich ganz schrecklich von einer leeren Brust geträumt habe. Ich saugte und saugte und saugte, aber es kam nix. Am Ende war ich so verzweifelt, dass ich furchtbar laut nach meiner Mami gerufen habe. Naja, gerufen ist vielleicht nicht ganz korrekt, ich hab eigentlich mehr geweint und geschrien, als wolle mir wer ans Leben. Zum Glück hat meine Mama mich gleich gehört und hat mich zu sich ins Bett geholt. Das war sehr kuschlig, zumal meine Mama derzeit in etwas schläft, was "Satää" heißt, ich glaube man schreibt es S-A-T-I-N oder so. Auf jeden Fall hat sie mich ganz feste gedrückt und liebgehabt, so dass es mir schon ein bisschen besser ging. Aber wenn man so arg geträumt hat, kann man nicht sofort mit dem Weinen aufhören. Also hat meine Mama mir meine Lieblingsbrust gegeben, damit ich selbst nachschauen konnte, ob noch was drin ist. Ich hab dann gesaugt und zum Glück war sie prallvoll mit Milch, wie fast immer. Wo ich gerade so schön dabei war, hab ich ein paar grosse Schlucke getrunken, obwohl ich nachts eigentlich nie Hunger habe. Naja, Ausnahmen muss es immer geben.
Dann konnte ich aber gar nicht so recht wieder einschlafen, ich glaube es war so gegen halb fünf. Meine Mama hatte mich zuerst auf ihrem Bauch liegen, aber wenn ich da liege, kann ich nicht schlafen. Ich mag dann viel lieber spielen und ihr in den Haaren wuscheln. Das mag meine Mama aber morgens um halb fünf gar nicht so gerne. Also hat sie mich wieder zurück in mein Bettchen gelegt, zugedeckt und wollte selber wieder schlafen. Ich war auch kurz ruhig, weil ja eigentlich alles in Ordnung war, aber dann plötzlich fühlte ich mich soooo alleine. Mein Bettchen ist ja schon ziemlich groß und ich bin noch ziemlich klein, kam mir auf jeden Fall recht verloren vor. Also machte ich mich auf den Weg in die rechte obere Ecke des Bettes um mich da anzuschmiegen und mich ein bisschen wie in Mamas Bauch zu fühlen. Da ich aber wie gesagt erst fünf Monate alt bin, ist es für mich eine riesige Anstrengung so weit zu robben. Ich schnaufte und stöhnte, aber weil ich so müde war, klappte irgendwie gar nix. Puuuh, und weil ich ein kleiner Stier bin, wurde ich ganz furchtbar zornig. Meine Mama kann nicht schlafen wenn ich zornig bin. Soll sie übrigens auch nicht, weil sie mir ja helfen muss. Sie hat mich dann an den Rand des Bettchens gelegt, ein weiteres Mal zugedeckt und ihre Hand auf meinem Rücken liegen lassen. Dann wurde ich ganz sanft gestreichelt und hörte Mamas leise Stimme ... "Weisst Du wieviel Sternlein stehen..." ... und dann bin ich doch tatsächlich wieder eingeschlafen!
So viel Arbeit, obwohl der Tag noch gar nicht angefangen hatte.
Wieder aufgewacht bin ich um acht, aus gutem Grund. Ich hatte nämlich Frühstückshunger. Zum Glück war meine Mama schon wach. Der Frühstückstisch war bereits gedeckt, will sagen, meine Mama räkelte sich nackig im Bett. Wir brauchten nur noch ein Spucktuch als Serviette ausbreiten und los ging's. Mhmmm guuut!
Nach dem Frühstück wollte ich spielen. Flieger und Hopsen und so schöne Spiele die im Bauch kribbeln. Normalerweise macht das ja mein Papa mit mir, aber der war leider nicht da. Schon viele Tage nicht. Fünf oder so. Eishockey trainieren, hat er mir vorher gesagt, will er. In der Tschechei, wo immer das auch ist. Na, auf jeden Fall musste meine Mama mit mir Flieger spielen. War ganz nett, aber so gute Sturzflüge und Loopings und Schleifen wie der Papa kriegt sie nicht hin. Sie hat keinen Pilotenschein, sagt sie. Sie sei mehr für die Bordküche zuständig.
Na gut, dann sind wir aufgestanden. Ab auf den Wickeltisch. Ich hatte nämlich schon seit nachts irgendwann einen großen Stinker in der Hose. Und Pipi auch, aber das ist ja nicht so schlimm, das saugt ja die Windel auf. Meiner Mama macht es nix aus, meinen Popo sauber zu machen. Meinem Papa schon ein bisschen, glaube ich. Aber er macht es trotzdem oft wenn er zu Hause ist.
Auf jeden Fall wollte meine Mama mich dann anziehen, ich mag aber viel lieber nackig rumstrampeln, ohne Windel und Hose und Hemdchen und vor allen Dingen ohne Socken. Ich schaffe es eigentlich immer recht schnell, meine Socken loszuwerden. Ich ziehe einfach kräftig vorne an der Spitze und ruck zuck sind sie weg. Einen haben wir mitten in Grünberg verloren, ich musste dann einseitig besockt nach Hause fahren.
Naja, über kurz oder lang schafft meine Mama es immer, mir irgendwelche Textilien überzuziehen. Ist ja auch schön warm, aber ein bisschen Spaß will man dabei ja schliesslich haben.
Dann ging's weiter. Mama wollte sich auch anziehen. Ich hingegen wollte spielen. Wie eigentlich jeden Morgen. Wir finden dann Kompromisse. Manchmal holt Mama all ihre Sachen ins Wohnzimmer, wo ich spiele, und macht zwischendurch lustige Späße mit mir. Es dauert zwar alles ein bisschen länger, aber dafür bin ich in der Regel ein sehr zufriedenes Baby.
Als wir dann glücklich alle angezogen waren, ging es wirklich los: Frühstück mit der Krabbelgruppe in Großen-Linden. Ganz viele Babys und Mamas kommen dorthin. Wir Babys sorgen dafür, dass sie nicht ganz so viele Brötchen essen. Manche Babys weinen wenn sie mal einen Augenblick alleine spielen sollen. Ich meistens nicht, weil meine Mama ja ganz in der Nähe ist. Heute hab ich mit Jacqueline Händchen gehalteb, dann sind wir beide eingeschlafen. Das war schön.
Aber mein Vormittagsnickerchen ist immer nur ungefähr eine halbe Stunde lang und als ich aufwachte, waren die Mamas immer noch am Frühstücken. Jetzt wollte ich doch nicht länger auf meiner Decke liegen und hab nach meiner Mama gerufen. Sie hat mich dann an den Tisch geholt und auf ihren Schoß gesetzt. Ich kanns ja gar nicht so gut haben, wenn alle am Tisch was essen, bloß ich nicht. Meine Mama hat mir dann ein Stück Brötchen in die Hand gegeben, an dem ich herumlutschen konnte. Viel hab ich nicht runterschlucken können, weil eigentlich alles in meiner Hand zermatscht ist, aber Spaß hat's trotzdem gemacht.
Nach dem Frühstück sind wir zu meiner Oma nach Giessen an die Arbeit gefahren. Die wollte nämlich mit meiner Mama und mir in etwas gehen, wo man sein Essen mit Stäbchen isst. Naja, jedem das Seine, ich bevorzuge da doch eine kuschlige Brust oder zumindest einen Löffel. Ich saß in meinem Sportwagen und hatte mein Kuscheltier in beiden Händen. Es war recht gemütlich, aber so langsam regte sich in meinem Bauch ein echtes Hungergefühl. Zum Glück ist meine Mama auf solche Situationen vorbereitet und packte auch gleich ein Gläschen mit Karotte-Kartoffel-Brei aus. Wunderbar! Als ich endlich satt war, konnte sich meine Mama ihrem Stäbchen-Essen zuwenden. Oma Lilo hatte schon gegessen und somit Zeit mit mir zu spielen. Oma verwöhnt mich gern ein bisschen. Sie hopst mich hoch in die Luft, spielt mit mir und meinen Stofftieren. Sie kocht mir Gemüsebrei und Tee. 27 Sorten wenns sein muss. Ich mag das wenn sie sich so um mich kümmert. Alle kümmern sich übrigens rührend um mich. Mir geht's schon echt gut!
Als wir nach dem Essen wieder im Auto saßen, bin ich ganz plötzlich arg müde geworden. In meinem Autositz schläft es sich ja ganz prima, und so nutzte ich die Gelegenheit, mein Nachmittags-Nickerchen zu beginnen. Aufgewacht bin ich später in meinem Bettchen. Mama muss mich da irgendwann hingetragen haben. Na, auf jeden Fall war ich dann wieder fit und ausgeruht.Genau richtig fürs Babyschwimmen. Mama hatte schon alles gepackt und los ging's. Im Schwimmbad ist es immer mächtig warm. Dort darf ich ganz nackig sein, ohne dass eine Oma oder Uroma sagt, ich würd mir die Ohren verkühlen oder ohne Socken kalte Füße und einen Schnupfen bekommen. Alle Babys haben nur ein Frotteehöschen an, nicht mal ne Windel. Das ist echt crazy. Und dann geht's ab in die Fluten. Ich mag Wasser sehr gerne und freue mich jedes mal wieder, wenn ich auf Mamas Arm ins große Becken darf. Das ist viel besser als unsere Badewanne zu Hause. Manche Babys weinen, wenn sie nur die Zehen ins Wasser stecken sollen. Versteh das nicht, die haben doch auch alle ihre Mamas dabei. Nach einer halben Stunde mussten wir leider wieder raus, weil die nächste Portion Babys eingetroffen war. Aber andrerseits war das auch gut so, denn viel Wasser macht auch viel Hunger. Mama zog mich wieder an (diese Geschichte kennen wir noch vom morgendlichen Anziehen) und stillte mich ausführlich. Nach dem Schwimmen bin ich auch immer ziemlich müde, also im Auto Augen zu und gepennt. Im Auto schlafe ich immer besonders gut. Das schuckelt so schön. Wenn ich mal nicht schlafen kann, müßten Papa und Mama eigentlich nur eine Runde um den Block mit mir fahren. Aber so weit ist es noch nicht gekommen ;)
Als ichzu Hause wieder aufwachte, befand ich mich auf meiner Krabbeldecke und mein Opa Uli war da. Der ist sehr lustig. Meine Mama hatte ihn wohl engagiert, weil sie noch mit Beja hopsen gehen wollte. Wegen ihrer Figur, sagt sie. Sie hätte einen Schlabberbauch und breite Hüften bekommen, seit ich auf der Welt bin. Aber sie wollte es ja nicht anders.
Mein Opa und ich können sehr schön miteinander spielen. Wir merkten gar nicht, wie die Zeit verging, bis mir der Opa nur mal so zur Probe einen Finger in die Windel steckte. Oh-oh! Ganz schnell wickeln! meinte er! Ich war ja im Zweifel, ob wir bei der Portion nicht lieber warten sollten bis die Mama wiederkam, aber Opa meinte, es würde schon gehen. Als ich gerade ausgepackt und ziemlich beschissen auf der Wickelkommode lag, hört ich einen Schlüssel im Schlüsselloch. Ha, da kommt ja die Mama, dachte ich, gerade noch rechtzeitig. Aber als die Mama ins Bad kam, stellte ich fest, dass sie gar nicht die Mama war. Es war nämlich mein Papa, den ich sooo lange nicht gesehen hatte. Ich lachte ihn an, weil ich mich so über ihn freute. Aber dann erst wurde mir bewusst, wie sehr ich ihn vermisst hatte. Ich konnte mich nicht zusammenreissen, ich musste ihn einfach mal richtig anbrüllen. Hoffentlich hat er mir das nicht überl genommen. Kurz darauf traf auch meine Mama wieder ein, die mich mit allem drum und dran bettfertig machte. Schlafanzug, Haare kämmen, Gesicht eincremen, Vitamin-D-Tablette einnehmen und so fort. Puuuh, ich war ganz schön froh, als es jetzt in die Heia ging. Mama legte sich in ihr Bett und ich durfte mich nach diesem anstrengenden Tag so richtig gemütlich an ihre Brust kuscheln. Beim Nuckeln bin ich eingeschlafen und hab gerade noch mitgekriegt, wie Mama mich in mein Bettchen gelegt hat. So ein schöner, erlebnisreicher Tag. Gute Nacht!
Jasmin Becker, Herbst 1994 - (meine Mama hat's für mich aufgeschrieben)
hätte es 1994/95 Blogs und Internet in der heutigen Form gegeben, hätte ich folgenden Blog geschrieben...
zum Inhalt...
... dieser Blog erzählt von Schwangerschaft, Geburt und der ersten Zeit mit dem Baby. Er berichtet von Erwartungen und Ängsten, Freude und Schmerz. Er möchte zum Nachdenken, Schmunzeln, Entspannen und Hinspüren anregen. Vielleicht kann er auch die eine oder andere Sehnsucht nach emotionaler Information stillen oder die Wartezeit aufs eigene Baby versüßen. Auf jeden Fall aber möchte er Gefühle und Gedanken weitergeben, Ängste nehmen und das ganze Glück ausdrücken, welches eine Mutter beim Schwangersein, Gebären und Stillen empfinden kann. Eine Geschichte, an der auch noch so viel Emanzipation nichts ändern kann. Zum Glück!
Mittwoch, 1. Februar 2012
Blick in den Spiegel
Mein Bauch ist leer und weich,
so weich, dass ihm jegliche Form fehlt.
Viele rot-blaue Streifen ziehen sich
vom Nabel bis hinunter zu den Oberschenkeln.
Auf meinen Hüften sitzt der Speck,
den ich vor der Schwangerschaft
mühsam losgeworden war.
An den Beinen zeigt sich
das eine oder andere Krampfäderchen.
Meine Brüste sind geschwollen und empfindlich,
oft laufen sie aus.
Meine Scheide hat eine Narbe,
ist weit und gedehnt.
Meine Haut zeigt seit der Geburt wieder
mehr Pickelchen und Unreinheiten.
Oft stehen mir beim Blick in den Spiegel
Tränen in den Augen.
Dann schäme ich mich vor mir.
Der Bauch, der mein Kind getragen hat,
die Scheide, durch die es geboren wurde,
die Brüste, die es nähren -
verdienen sie nicht liebevolle Blicke?!
so weich, dass ihm jegliche Form fehlt.
Viele rot-blaue Streifen ziehen sich
vom Nabel bis hinunter zu den Oberschenkeln.
Auf meinen Hüften sitzt der Speck,
den ich vor der Schwangerschaft
mühsam losgeworden war.
An den Beinen zeigt sich
das eine oder andere Krampfäderchen.
Meine Brüste sind geschwollen und empfindlich,
oft laufen sie aus.
Meine Scheide hat eine Narbe,
ist weit und gedehnt.
Meine Haut zeigt seit der Geburt wieder
mehr Pickelchen und Unreinheiten.
Oft stehen mir beim Blick in den Spiegel
Tränen in den Augen.
Dann schäme ich mich vor mir.
Der Bauch, der mein Kind getragen hat,
die Scheide, durch die es geboren wurde,
die Brüste, die es nähren -
verdienen sie nicht liebevolle Blicke?!
Nach-Schwangerschaft...
Endlich vorbei-
der dicke Bauch,
die Unbeweglichkeit,
das Kreuzweh,
das nächtliche Aufs-Klo-gehen,
die Angst vor der Geburt.
Vorbei aber auch -
die Rücksichtnahme der anderen,
im Mittelpunkt des Interesses zu stehen,
Liebe für zwei zu bekommen,
die Fragen, wie es mir geht,
die Zweisamkeit mit meinem Kind,
die Bewegungen, die nur mir gehören,
das Alibi für mein Gewicht,
die Zeit allein für mich.
Vorbei - die Schwangerschaft!
Vorbei - eine wunderschöne Zeit.
Was kommt, ist die Zeit mit Jasmin!
Es könnte nicht besser kommen!
der dicke Bauch,
die Unbeweglichkeit,
das Kreuzweh,
das nächtliche Aufs-Klo-gehen,
die Angst vor der Geburt.
Vorbei aber auch -
die Rücksichtnahme der anderen,
im Mittelpunkt des Interesses zu stehen,
Liebe für zwei zu bekommen,
die Fragen, wie es mir geht,
die Zweisamkeit mit meinem Kind,
die Bewegungen, die nur mir gehören,
das Alibi für mein Gewicht,
die Zeit allein für mich.
Vorbei - die Schwangerschaft!
Vorbei - eine wunderschöne Zeit.
Was kommt, ist die Zeit mit Jasmin!
Es könnte nicht besser kommen!
Eines Nachts.... 5.5.1994
war es so weit. Ich hatte gerade noch Wäsche aufgehängt und war dabei die Chinchillas zu füttern, als ich etwas Nasses zwischen den Beinen spürte. Mein Herz fing tierisch an zu klopfen. Ich lief ins Bad, wo mein Mann auf die Tierchen aufpasste, und kriegte vor Aufregung kaum ein Wort raus. "Ich ... ehm... ich glaub mir ist die Fruchtblase geplatzt...!?!?"
Ich machte mich ab ins Schlafzimmer, um in irgendwelchen schlauen Büchern den weiteren Ablauf nachzulesen. Ab ins Krankenhaus, hiess es da. Während ich noch überlegte, was wir noch mitnehmen müssen, fing Thorsten die Chinchillas in Rekordzeit. Dann packte er auf mein Geheiß einiges zusammen und los gings.
0.14 h - wir fuhren durch strömenden Regen. Ich zitterte am ganzen Körper. Vor Angst, Aufregung und Freude! Thorsten hielt meine Hand, während wir durch Giessen düsten. In meinem Kopf ging alles durcheinander. Was würde jetzt mit uns passieren, hatten wir genug Kraft, das durchzustehen? Ich legte die Hände auf meinen Bauch und fühlte Jasmin strampeln. Noch einmal dieses Gefühl geniessen! So ganz ehrlich gesagt, hatte ich mächtig Schiss vor all dem, was da jetzt kommen sollte.
Gegen 0.30 h waren wir am evangelischen Krankenhaus und noch immer regnete es. Thorsten fuhr kurzerhand zum Krankenwageneingang, wo er erst mal eine fahrbare Liege organisierte. Wir liessen Koffer und Tasche im Auto und ich liess mich durch die schummrigen Gänge des nächtlichen Krankenhauses fahren. Mit dem Aufzug in den ersten Stock, bis direkt vor die Kreisssaaltür. Noch immer war ich mächtig aufgeregt. Eine Frau mit kurzen dunkeln Haaren öffnete und stellte sich als diensthabende Hebamme Melanie Wiegand vor. Sie fragte uns ein paar wichtige Dinge, wie errechneter Geburtstermin, ob erstes Kind und wann der Blasensprung gewesen sei.
Dann musste ich mich in dem weniger schönen der beiden Kreisssäle aufs Kreissbett legen und es wurde ein CTG geschrieben. Eigentlich verspürte ich noch keine Wehen, aber das Gerät meinte, da wäre schon was. Die Hebamme und eine Ärztin untersuchten mich und stellten fest, dass die Fruchtblase nicht geplatzt sondern nur irgendwo gerissen war. Der Muttermund war erstaunlicherweise bereits 3-4 cm geöffnet, ohne dass ich eine Wehe gespürt hatte.
Dann erklärte uns die Hebamme, dass eigentlich gar keine Betten mehr frei seien auf Station und ob sie mich in die Frauenklinik oder ins St. Josefs-Krankenhaus verlegen sollten.
Da ich aber meine Geburtsvorbereitung wohlweislich im Evangelischen gemacht hatte, wollte ich auf jeden Fall dort entbinden. Das haben wir ihr dann auch nachdrücklich klar gemacht. Wenn alles gut wäre, würden wir eben gleich nach Hause gehen. Ambulante Entbindung also. Sollten irgendwelche Komplikationen auftreten, könnte ich ein Bett im Aufenthaltsraum haben. Na dann.
Während das CTG weiter meine Wehen aufzeichnete, die ich nicht spürte, holte Thorsten unsere Sachen aus dem Auto. Langsam wurde ich wieder ein bisschen ruhiger. Und mit der Ruhe spürte ich jetzt auch leichte Wehen, an denen ich die geübte Atemtechnik - durch die Nase ein und durch den Mund aus (wie innovativ) testen konnte. Thorsten und ich konnten uns zwischen den Wehen noch angeregt unterhalten. Die Hebamme und die Ärztin waren im anderen Kreisssaal zugange, wo eine Frau gerade mitten in der Endphase der Geburt steckte. Sie weinte und stöhnte und mir rutschte das Herz in die Hose. Jetzt packte mich doch ein wenig die Panik. Der Gedanke, in wenigen Stunden auch solche Schmerzen zu haben, war doch nicht so angenehm.
Gegen 2 Uhr kam die Hebamme, untersuchte mich wieder und meinte: "Na, dann kriegen Sie heute Nacht Ihr Kind!" Das war so endgültig. Bis dahin hatte ich noch mit dem Gedanken gespielt, evtl noch mal nach Hause zu fahren. Aber es sollte jetzt wohl so weit sein.
"So, gehen Sie mal mit Ihrem Mann spazieren und seien Sie gegen halb vier wieder hier!" Ich hievte mich und meinen dicken Bauch von dem Kreissbett und wir gingen spazieren. Treppen runter und wieder hoch, Gänge entlang, in die Eingangshalle, in die Kapelle des Krankenhauses. Dort vor dem Kreuz kamen mir die ersten Tränchen. Nach ein paar Augenblicken der Stille gings mit den Wehen richtig los. Wir mussten zusehen, dass wir immer, wenn eine Wehe anfing, an einer Stelle waren, wo ich mich abstützen konnte. Also Stühle, Pfosten oder ähnliches. Thorsten massierte mir den schmerzenden Rücken. Zum Glück hat man zwischen den Wehen immer einige Zeit sich zu erholen. Um halb vier trafen wir pünktlich im Kreisssaal ein, wo die Hebamme mich wieder untersuchte, was übrigens schmerzhafter war als sämtliche Wehen. Der Muttermund hatte sich weiter geöffnet. Etwa 5-6 cm jetzt. "Wunderbar!" meinte die Hebamme und schaltete das CTG-Gerät wieder ein. Jetzt musste ich mit den Wehen im Liegen fertig werden. Thorsten saß neben mir auf einem Stuhl und nickte ab und zu ein wenig ein. Auch ich döste zwischen den Wehen vor mich hin. Die Herzfrequenz unseres Babys war über das CTG deutlich zu hören. Ein gleichmäßiges, ruhiges Pochen, was mir Kraft gab.
So gegen viertel nach vier schaute die Hebamme herein, sah sich das CTG an und schickte uns wieder spazieren. "Bis viertel nach fünf!" Und tschüß! Wir liefen wieder auf und ab, kreuz und quer, mal nach draussen, wo es noch immer stockfinster und mächtig nass war. Ich war während der letzten Zeit doch ein wenig ins Schwitzen gekommen und es tat gut, den Regen im Gesicht zu spüren. Trotz der stärker werdenden Schmerzen war eine wirklich gute Stimmung zwischen uns dreien. Ich genoss das gefühl, unser Kind noch im Bauch zu tragen. Wir redeten mit Jasmin, streichelten sie. Die ganze Atmosphäre des nächtlichen Krankenhauses war beruhigend und sanft. Und ganz besonders. Quasi ein mentaler Ausnahmezustand. Ich kann es noch so gut fühlen, aber in Gedanken ist es schon weit weg. Der menschliche Körper schüttet bei starken Schmerzen körpereigene Endorphine, also Schmerzmittel, aus, die sich auch auf das Bewusstsein auswirken. Irgendwie fühlte ich mich ein wenig high.
So eine Stunde zieht sich einerseits, aber andrerseits ist sie im Nachhinein betrachtet, ruckzuck vorbei. Und man spürt, dass man dem eigentlichen Kern der Sache mit jeder Wehe ein Stück näher kommt. Wie dieser Kern aussieht, wußte ich da auch noch nicht. Um Viertel nach fünf gabs die nächste Untersuchung. 7-8 cm.
Das Kreisssaalfenster war offen. Kühle Morgenluft wehte herein. Es war noch dämmrig, doch die Amseln begannen zu zwitschern. Das war ein Moment, den ich wohl nie vergessen werde. Diese Ruhe und Kraft der Natur, die in diesem Augenblick auf mich wirkte, möchte ich in meinem Herzen festhalten.
Ich hatte jetzt die freie Auswahl zwischen einem weiteren Spaziergang, einem Einlauf (herzlichen Dank), einem Bett und einem heissen Bad. So n heisses Bad käme schon gut. Vorher bekam ich noch ein entspannendes Zäpfchen und ab gings in die Wanne. Die Hebamme bot uns an, das Radio mitzunehmen, und so genossen wir Pop & Weck auf hr3. Thorsten legte sich auf die äußerst praktische Liege im badezimmer und nahm eine Mütze Schlaf. Wir waren jetzt immerhin 24 Stunden wach. Das warme Wasser regte die Wehen an und so ging es in meiner Wann recht bald ziemlich rund. Ich atmete und schniefte und schnaufte. Ich möchte nicht wissen, wieviele Liter Luft ich in dieser Nacht durch die Gegend geatmet habe. Inzwischen spürte ich die Wehen nicht nehr so sehr im Bauch sondern als dumpfe tritte im unteren Rücken. Trotzdem war es mir möglich, in den Wehenpausen ein wenig zu schlafen und völlig zu entspannen. Nicht an die nächste Wehe denken, denn das macht Angst und verkrampft. Einfach kommen lassen.
Nach etwa eineinhalb Stunden entschloss ich mich, die Wanne zu verlassen. Ich zog mir ein T-Shirt und ein paar Socken an und wir gingen wieder in der Kreisssaal. Tastbefund der Hebamme: 9-10 cm, Fruchtblase aber immer noch nicht geplatzt. "Dann machen wir sie eben auf!" sagte sie, holte dicke Zellstoffunterlagen und ein langes spitzes Instrument. Ich bekam das grosse Zittern. "Keine Panik, das tut nicht weh!" Wer's glaubt, dachte ich mir, machte aber dann doch die Beine breit. Es tat in der Tat nicht weh, aber das Gefühl, wenn da unten unkontrollierbar Wasser rausläuft, ist schon gar seltsam. Und dann ging's richtig los. Thorsten sass neben mir. Die Hebamme hatte mich bereits auf die Seite gelegt, damit das Köpfchen sich besser in den Beckeneingang hineindrehen konnte, und war wieder gegangen. Die Wehen kamen jetzt kurz hintereinander und ziemlich heftig. Thorsten erinnerte mich immer wieder, durch die Nase zu atmen, aber ich kriegte es irgendwie nicht so auf die Reihe. Ich schnaufte und stöhnte und schnappte nach Luft.
Und plötzlich war da eine Wehe, die anders war als alle vorherigen. Die erste Presswehe. Keiner konnte mir das gefühl vorher beschreiben und ich kann es wohl auch nur unzureichend. Ich bekam es mächtig mit der Angst und liess in dem Moment meinen ersten unterdrückten Schrei los. Ich fühlte einen wahnsinnigen Krampf im gesamten Beckenbereich, musste einfach mitdrücken und konnte nicht mehr aufhören. Mein Körper machte was wr wollte und was richtig war. Mein Wille war völlig ausgeschaltet, meine Gedanken total weg. Ich fühlte nach dieser ersten Presswehe riesigen Durst. Thorsten gab mir einen nassen Waschlappen zum Aussaugen und wischte mir die Stirn ab. Inzwischen war die Hebamme samt einer Ärztin im Kreisssaal eingetroffen. "So, dann wollen wir mal!" Sie schaltete die Wärmelampe über dem Wickeltisch ein. Land in Sicht!
Die Hebamme stand rechts und die Ärztin links vom Bett. Ich sollte mich jetzt auf den Rücken drehen, mich halb aufrecht hinsetzen und konnte meine Beine gegen die Hüften der beiden stemmen. Thorsten hielt meine Hand und so erwarteten wir die nächste Wehe, die nicht lange auf sich warten liess. Ich war völlig weggetreten, machte nurnoch mechanisch, was man mir sagte. Und Luft holen und Kopf auf die Brust und schieben, und austamen, und noch mal Luft holen und feste feste pressen. Und nochmal...! Ich hatte kein Gefühl dafür, ob sich da unten was tat oder nicht. Ob ich in die richtige Richtung presste oder ob ich schon geplatzte Äderchen in den Augen hatte (hatte ich übrigens nicht, wie sich später herausstellte). Dafür hatte ich einen zünftigen Krampf im linken Oberschenkel. Ich weiss nicht, ob mein Körper schon jemals so eine Kraft entwickelt hatte. Die Ärztin massierte mein Bein in der Wehenpause, die recht kurz war. So was um 30 Sekunden. Und weiter gings. Luftholen und pressen. Nach der dritten Presswehe erkundigte ich mich vorsichtig, ob sich denn überhaupt was bewegt. "Na klar, ich kann das Köpfchen schon sehen. Ganz dunkle Haare. Wollen Sie einen Spiegel oder mal fühlen?" Das hab ich aber dankend abgelehnt, denn die nächste Wehe war schon im Anmarsch. Jetzt kippte mir die Hebamme einen Schwall Öl über den Damm, damit der elastisch würde, aber die Ärztin war wohl der Ansicht, dass da eine große Schere bessere Dienste täte. Die beiden sahen sich an und auf dem Höhepunkt der Wehe gab es ein seltsam schnippelndes Geräusch. Ich spürte den Schnitt nicht, bekam es aber dennoch mit. Na egal. Das Blut lief und ich hoffte inständig, dass es jetzt bald vorbei wäre. In meinem Bauch war mächtig was los. Jasmin strampelte, die Beine noch in der Gebärmutter, und versuchte sich abzudrücken. Ihre Herzfrequenz war bei 180 pro Minute und sie hatte einem ganz schönen Druck von etwa einem Zentner standzuhalten. "So, jetzt noch mal kräftig, dann haben Sie es geschafft!" hörte ich die Hebamme sagen. Na gut. Die fünfte und letzte Presswehe kam und beim ersten Drücken kam zuerst der Kopf und gleich darauf die restliche Jasmin haus mir herausgeschlüpft. Was für ein Gefühl!
7.40 Uhr.
Die Hebamme klemmte die Nabelschnur ab und gab Thorsten die Schere zum Durchschneiden. Schnipp! Das wars, kleine Maus, jetzt lebst Du selber. Ich hörte einen noch etwas verhaltenen Schrei, dann bekam ich sie in ein Handtuch gewickelt auf den Bauch gelegt. Unbeschreiblich. Die Hebamme gab mir eine Spritze in den Oberarm, damit sich die Gebärmutter schneller zusammenziehen würde, die Ärztin betäubte meinen Damm, nähte ihn und ich hatte nur Augen für Jasmin. Thorsten weinte und wir umarmten uns. Alle drei. Ich war zu keiner Gefühlsregung fähig, war einfach ausgepumpt und leer. Mein Bauch war seltsam weich und zusammengefallen. Jasmin blinzelte in die Welt und quäkte ein wenig vor sich hin.
"Sie können duschen gehen!" hörte ich die Ärztin plötzlich sagen und hatte kaum etwas mitbekommen. Thorsten nahm mir die Kleine ab und brachte sie zum Wickeltisch. 3170 g, 53 cm und 32 cm Kopfumfang.
Ich stand auf, noch wacklig in den Knien und ein paar Kilo leichter, so ohne Bauch, also äußerst komisch. Ich nahm meine Sachen und duschte im Rekordtempo. Welch ein seltsames Gefühl, so alleine und leer. Ich sah zu, dass ich wieder zu meiner Familie kam. Thorsten war bereits dabei, Jasmin anzuziehen. Als sie fertig war durft sie zuerst an meine Brust. Na, das klappte noch nicht so besonders, aber wir mussten es eben beide noch lernen. Sie schien trotzdem recht zufrieden zu sein und kuschelte sich in meine Arme.
Ich hatte plötzlich mächtigen Hunger und vor allem Durst. Thorsten organisierte mir ein Frühstückstablett und ich genoss ein Marmeladenbrötchen mit einer Tasse Kaffee. Guuut! Und das wars eigentlich! Wir packten Jasmin warm ein, verabschiedeten uns von der Hebamme, die nun auch endlich Feierabend hatte, und verliessen durch dieselben Gänge, die wir nachts mehrfach durchwandelt hatten, das nun belebte Krankenhaus. Es hatte aufgehört zu regnen und die Sonne schien!
geschrieben in der Woche nach dem 5.5.94 mit vielen Freudentränen, die einfach raus mussten
Ich machte mich ab ins Schlafzimmer, um in irgendwelchen schlauen Büchern den weiteren Ablauf nachzulesen. Ab ins Krankenhaus, hiess es da. Während ich noch überlegte, was wir noch mitnehmen müssen, fing Thorsten die Chinchillas in Rekordzeit. Dann packte er auf mein Geheiß einiges zusammen und los gings.
0.14 h - wir fuhren durch strömenden Regen. Ich zitterte am ganzen Körper. Vor Angst, Aufregung und Freude! Thorsten hielt meine Hand, während wir durch Giessen düsten. In meinem Kopf ging alles durcheinander. Was würde jetzt mit uns passieren, hatten wir genug Kraft, das durchzustehen? Ich legte die Hände auf meinen Bauch und fühlte Jasmin strampeln. Noch einmal dieses Gefühl geniessen! So ganz ehrlich gesagt, hatte ich mächtig Schiss vor all dem, was da jetzt kommen sollte.
Gegen 0.30 h waren wir am evangelischen Krankenhaus und noch immer regnete es. Thorsten fuhr kurzerhand zum Krankenwageneingang, wo er erst mal eine fahrbare Liege organisierte. Wir liessen Koffer und Tasche im Auto und ich liess mich durch die schummrigen Gänge des nächtlichen Krankenhauses fahren. Mit dem Aufzug in den ersten Stock, bis direkt vor die Kreisssaaltür. Noch immer war ich mächtig aufgeregt. Eine Frau mit kurzen dunkeln Haaren öffnete und stellte sich als diensthabende Hebamme Melanie Wiegand vor. Sie fragte uns ein paar wichtige Dinge, wie errechneter Geburtstermin, ob erstes Kind und wann der Blasensprung gewesen sei.
Dann musste ich mich in dem weniger schönen der beiden Kreisssäle aufs Kreissbett legen und es wurde ein CTG geschrieben. Eigentlich verspürte ich noch keine Wehen, aber das Gerät meinte, da wäre schon was. Die Hebamme und eine Ärztin untersuchten mich und stellten fest, dass die Fruchtblase nicht geplatzt sondern nur irgendwo gerissen war. Der Muttermund war erstaunlicherweise bereits 3-4 cm geöffnet, ohne dass ich eine Wehe gespürt hatte.
Dann erklärte uns die Hebamme, dass eigentlich gar keine Betten mehr frei seien auf Station und ob sie mich in die Frauenklinik oder ins St. Josefs-Krankenhaus verlegen sollten.
Da ich aber meine Geburtsvorbereitung wohlweislich im Evangelischen gemacht hatte, wollte ich auf jeden Fall dort entbinden. Das haben wir ihr dann auch nachdrücklich klar gemacht. Wenn alles gut wäre, würden wir eben gleich nach Hause gehen. Ambulante Entbindung also. Sollten irgendwelche Komplikationen auftreten, könnte ich ein Bett im Aufenthaltsraum haben. Na dann.
Während das CTG weiter meine Wehen aufzeichnete, die ich nicht spürte, holte Thorsten unsere Sachen aus dem Auto. Langsam wurde ich wieder ein bisschen ruhiger. Und mit der Ruhe spürte ich jetzt auch leichte Wehen, an denen ich die geübte Atemtechnik - durch die Nase ein und durch den Mund aus (wie innovativ) testen konnte. Thorsten und ich konnten uns zwischen den Wehen noch angeregt unterhalten. Die Hebamme und die Ärztin waren im anderen Kreisssaal zugange, wo eine Frau gerade mitten in der Endphase der Geburt steckte. Sie weinte und stöhnte und mir rutschte das Herz in die Hose. Jetzt packte mich doch ein wenig die Panik. Der Gedanke, in wenigen Stunden auch solche Schmerzen zu haben, war doch nicht so angenehm.
Gegen 2 Uhr kam die Hebamme, untersuchte mich wieder und meinte: "Na, dann kriegen Sie heute Nacht Ihr Kind!" Das war so endgültig. Bis dahin hatte ich noch mit dem Gedanken gespielt, evtl noch mal nach Hause zu fahren. Aber es sollte jetzt wohl so weit sein.
"So, gehen Sie mal mit Ihrem Mann spazieren und seien Sie gegen halb vier wieder hier!" Ich hievte mich und meinen dicken Bauch von dem Kreissbett und wir gingen spazieren. Treppen runter und wieder hoch, Gänge entlang, in die Eingangshalle, in die Kapelle des Krankenhauses. Dort vor dem Kreuz kamen mir die ersten Tränchen. Nach ein paar Augenblicken der Stille gings mit den Wehen richtig los. Wir mussten zusehen, dass wir immer, wenn eine Wehe anfing, an einer Stelle waren, wo ich mich abstützen konnte. Also Stühle, Pfosten oder ähnliches. Thorsten massierte mir den schmerzenden Rücken. Zum Glück hat man zwischen den Wehen immer einige Zeit sich zu erholen. Um halb vier trafen wir pünktlich im Kreisssaal ein, wo die Hebamme mich wieder untersuchte, was übrigens schmerzhafter war als sämtliche Wehen. Der Muttermund hatte sich weiter geöffnet. Etwa 5-6 cm jetzt. "Wunderbar!" meinte die Hebamme und schaltete das CTG-Gerät wieder ein. Jetzt musste ich mit den Wehen im Liegen fertig werden. Thorsten saß neben mir auf einem Stuhl und nickte ab und zu ein wenig ein. Auch ich döste zwischen den Wehen vor mich hin. Die Herzfrequenz unseres Babys war über das CTG deutlich zu hören. Ein gleichmäßiges, ruhiges Pochen, was mir Kraft gab.
So gegen viertel nach vier schaute die Hebamme herein, sah sich das CTG an und schickte uns wieder spazieren. "Bis viertel nach fünf!" Und tschüß! Wir liefen wieder auf und ab, kreuz und quer, mal nach draussen, wo es noch immer stockfinster und mächtig nass war. Ich war während der letzten Zeit doch ein wenig ins Schwitzen gekommen und es tat gut, den Regen im Gesicht zu spüren. Trotz der stärker werdenden Schmerzen war eine wirklich gute Stimmung zwischen uns dreien. Ich genoss das gefühl, unser Kind noch im Bauch zu tragen. Wir redeten mit Jasmin, streichelten sie. Die ganze Atmosphäre des nächtlichen Krankenhauses war beruhigend und sanft. Und ganz besonders. Quasi ein mentaler Ausnahmezustand. Ich kann es noch so gut fühlen, aber in Gedanken ist es schon weit weg. Der menschliche Körper schüttet bei starken Schmerzen körpereigene Endorphine, also Schmerzmittel, aus, die sich auch auf das Bewusstsein auswirken. Irgendwie fühlte ich mich ein wenig high.
So eine Stunde zieht sich einerseits, aber andrerseits ist sie im Nachhinein betrachtet, ruckzuck vorbei. Und man spürt, dass man dem eigentlichen Kern der Sache mit jeder Wehe ein Stück näher kommt. Wie dieser Kern aussieht, wußte ich da auch noch nicht. Um Viertel nach fünf gabs die nächste Untersuchung. 7-8 cm.
Das Kreisssaalfenster war offen. Kühle Morgenluft wehte herein. Es war noch dämmrig, doch die Amseln begannen zu zwitschern. Das war ein Moment, den ich wohl nie vergessen werde. Diese Ruhe und Kraft der Natur, die in diesem Augenblick auf mich wirkte, möchte ich in meinem Herzen festhalten.
Ich hatte jetzt die freie Auswahl zwischen einem weiteren Spaziergang, einem Einlauf (herzlichen Dank), einem Bett und einem heissen Bad. So n heisses Bad käme schon gut. Vorher bekam ich noch ein entspannendes Zäpfchen und ab gings in die Wanne. Die Hebamme bot uns an, das Radio mitzunehmen, und so genossen wir Pop & Weck auf hr3. Thorsten legte sich auf die äußerst praktische Liege im badezimmer und nahm eine Mütze Schlaf. Wir waren jetzt immerhin 24 Stunden wach. Das warme Wasser regte die Wehen an und so ging es in meiner Wann recht bald ziemlich rund. Ich atmete und schniefte und schnaufte. Ich möchte nicht wissen, wieviele Liter Luft ich in dieser Nacht durch die Gegend geatmet habe. Inzwischen spürte ich die Wehen nicht nehr so sehr im Bauch sondern als dumpfe tritte im unteren Rücken. Trotzdem war es mir möglich, in den Wehenpausen ein wenig zu schlafen und völlig zu entspannen. Nicht an die nächste Wehe denken, denn das macht Angst und verkrampft. Einfach kommen lassen.
Nach etwa eineinhalb Stunden entschloss ich mich, die Wanne zu verlassen. Ich zog mir ein T-Shirt und ein paar Socken an und wir gingen wieder in der Kreisssaal. Tastbefund der Hebamme: 9-10 cm, Fruchtblase aber immer noch nicht geplatzt. "Dann machen wir sie eben auf!" sagte sie, holte dicke Zellstoffunterlagen und ein langes spitzes Instrument. Ich bekam das grosse Zittern. "Keine Panik, das tut nicht weh!" Wer's glaubt, dachte ich mir, machte aber dann doch die Beine breit. Es tat in der Tat nicht weh, aber das Gefühl, wenn da unten unkontrollierbar Wasser rausläuft, ist schon gar seltsam. Und dann ging's richtig los. Thorsten sass neben mir. Die Hebamme hatte mich bereits auf die Seite gelegt, damit das Köpfchen sich besser in den Beckeneingang hineindrehen konnte, und war wieder gegangen. Die Wehen kamen jetzt kurz hintereinander und ziemlich heftig. Thorsten erinnerte mich immer wieder, durch die Nase zu atmen, aber ich kriegte es irgendwie nicht so auf die Reihe. Ich schnaufte und stöhnte und schnappte nach Luft.
Und plötzlich war da eine Wehe, die anders war als alle vorherigen. Die erste Presswehe. Keiner konnte mir das gefühl vorher beschreiben und ich kann es wohl auch nur unzureichend. Ich bekam es mächtig mit der Angst und liess in dem Moment meinen ersten unterdrückten Schrei los. Ich fühlte einen wahnsinnigen Krampf im gesamten Beckenbereich, musste einfach mitdrücken und konnte nicht mehr aufhören. Mein Körper machte was wr wollte und was richtig war. Mein Wille war völlig ausgeschaltet, meine Gedanken total weg. Ich fühlte nach dieser ersten Presswehe riesigen Durst. Thorsten gab mir einen nassen Waschlappen zum Aussaugen und wischte mir die Stirn ab. Inzwischen war die Hebamme samt einer Ärztin im Kreisssaal eingetroffen. "So, dann wollen wir mal!" Sie schaltete die Wärmelampe über dem Wickeltisch ein. Land in Sicht!
Die Hebamme stand rechts und die Ärztin links vom Bett. Ich sollte mich jetzt auf den Rücken drehen, mich halb aufrecht hinsetzen und konnte meine Beine gegen die Hüften der beiden stemmen. Thorsten hielt meine Hand und so erwarteten wir die nächste Wehe, die nicht lange auf sich warten liess. Ich war völlig weggetreten, machte nurnoch mechanisch, was man mir sagte. Und Luft holen und Kopf auf die Brust und schieben, und austamen, und noch mal Luft holen und feste feste pressen. Und nochmal...! Ich hatte kein Gefühl dafür, ob sich da unten was tat oder nicht. Ob ich in die richtige Richtung presste oder ob ich schon geplatzte Äderchen in den Augen hatte (hatte ich übrigens nicht, wie sich später herausstellte). Dafür hatte ich einen zünftigen Krampf im linken Oberschenkel. Ich weiss nicht, ob mein Körper schon jemals so eine Kraft entwickelt hatte. Die Ärztin massierte mein Bein in der Wehenpause, die recht kurz war. So was um 30 Sekunden. Und weiter gings. Luftholen und pressen. Nach der dritten Presswehe erkundigte ich mich vorsichtig, ob sich denn überhaupt was bewegt. "Na klar, ich kann das Köpfchen schon sehen. Ganz dunkle Haare. Wollen Sie einen Spiegel oder mal fühlen?" Das hab ich aber dankend abgelehnt, denn die nächste Wehe war schon im Anmarsch. Jetzt kippte mir die Hebamme einen Schwall Öl über den Damm, damit der elastisch würde, aber die Ärztin war wohl der Ansicht, dass da eine große Schere bessere Dienste täte. Die beiden sahen sich an und auf dem Höhepunkt der Wehe gab es ein seltsam schnippelndes Geräusch. Ich spürte den Schnitt nicht, bekam es aber dennoch mit. Na egal. Das Blut lief und ich hoffte inständig, dass es jetzt bald vorbei wäre. In meinem Bauch war mächtig was los. Jasmin strampelte, die Beine noch in der Gebärmutter, und versuchte sich abzudrücken. Ihre Herzfrequenz war bei 180 pro Minute und sie hatte einem ganz schönen Druck von etwa einem Zentner standzuhalten. "So, jetzt noch mal kräftig, dann haben Sie es geschafft!" hörte ich die Hebamme sagen. Na gut. Die fünfte und letzte Presswehe kam und beim ersten Drücken kam zuerst der Kopf und gleich darauf die restliche Jasmin haus mir herausgeschlüpft. Was für ein Gefühl!
7.40 Uhr.
Die Hebamme klemmte die Nabelschnur ab und gab Thorsten die Schere zum Durchschneiden. Schnipp! Das wars, kleine Maus, jetzt lebst Du selber. Ich hörte einen noch etwas verhaltenen Schrei, dann bekam ich sie in ein Handtuch gewickelt auf den Bauch gelegt. Unbeschreiblich. Die Hebamme gab mir eine Spritze in den Oberarm, damit sich die Gebärmutter schneller zusammenziehen würde, die Ärztin betäubte meinen Damm, nähte ihn und ich hatte nur Augen für Jasmin. Thorsten weinte und wir umarmten uns. Alle drei. Ich war zu keiner Gefühlsregung fähig, war einfach ausgepumpt und leer. Mein Bauch war seltsam weich und zusammengefallen. Jasmin blinzelte in die Welt und quäkte ein wenig vor sich hin.
"Sie können duschen gehen!" hörte ich die Ärztin plötzlich sagen und hatte kaum etwas mitbekommen. Thorsten nahm mir die Kleine ab und brachte sie zum Wickeltisch. 3170 g, 53 cm und 32 cm Kopfumfang.
Ich stand auf, noch wacklig in den Knien und ein paar Kilo leichter, so ohne Bauch, also äußerst komisch. Ich nahm meine Sachen und duschte im Rekordtempo. Welch ein seltsames Gefühl, so alleine und leer. Ich sah zu, dass ich wieder zu meiner Familie kam. Thorsten war bereits dabei, Jasmin anzuziehen. Als sie fertig war durft sie zuerst an meine Brust. Na, das klappte noch nicht so besonders, aber wir mussten es eben beide noch lernen. Sie schien trotzdem recht zufrieden zu sein und kuschelte sich in meine Arme.
Ich hatte plötzlich mächtigen Hunger und vor allem Durst. Thorsten organisierte mir ein Frühstückstablett und ich genoss ein Marmeladenbrötchen mit einer Tasse Kaffee. Guuut! Und das wars eigentlich! Wir packten Jasmin warm ein, verabschiedeten uns von der Hebamme, die nun auch endlich Feierabend hatte, und verliessen durch dieselben Gänge, die wir nachts mehrfach durchwandelt hatten, das nun belebte Krankenhaus. Es hatte aufgehört zu regnen und die Sonne schien!
geschrieben in der Woche nach dem 5.5.94 mit vielen Freudentränen, die einfach raus mussten
Die letzten Meter! - 29.4.1994
So langsam gehts in die heiße Phase. Mein Bauch ist so dick, dass ich meine Füße nur noch selten sehe. Der Rücken schmerzt. Schlafen ist nur noch in einer ausgeklügelten Position möglich, bei der ich auf der Seite liege, ein Kissen zwischen den Knien und eines unter dem Bauch. Alle 2-3 Stunden Pipi machen, ab und zu tritt mir jemand innerlich auf die Blase oder steckt mir einen Fuss zwischen meine Rippen. Beim aus-der Wanne-Steigen nach dem Baden erinnere ich an Antje, das Fernsehwalroß und fühle mich auch so. Die Schwangerschaftsgymnastik ist mittlerweile zu einer artistischen Leistung geworden. In der Bauchlage stehen die Beine am Ende nahezu einen halben Meter vom Boden ab. Schwangerschaftsstreifen sind in rauen Mengen vorhanden. Statt teure Cremes zu kaufen, waren wir mal gut essen, wie mein Frauenarzt uns geraten hatte. Die gute alte NIVEA-Creme sei genauso wirkungsvoll wie teure Cremes. Kann sein - kann auch nicht sein. Ich gehe von nun an jedenfalls im Zebra-Look. Die Stillvorbereitung ist abgeschlossen. Und zwar schon lange ;) Die Tips gehen vom Einreiben der Brustwarzen mit Johanniskrautöl (harmlos) über Löcher im BH, damit die Nippel an der Kleidung reiben (erfüllt auch noch andere Zwecke) bis hin zum Bürsten mit einer Zahnbürste (man kanns auch übertreiben). Es wird schon werden!
Angst vor der Geburt und freudige Erwartung mischen sich zu einem Gefühl, was im Bauch kribbelt. Am 28.4.1994 hab ich einen echten Vorgeburtskoller. Tränen, Traurigkeit und Angst. Und die Hoffnung, das es bald so weit ist. Und als das alles mal draußen ist, hab ich das Gefühl, jetzt kanns losgehen. Daraufhin mache ich beim Gummitwist auf einem Geburtstag mit. Am nächsten Tag eine kleine Radtour ins nächste Dorf zum Eisessen. Der Klinikkoffer wird noch mal neu gepackt, das Bettchen bezogen, alles ist bereit. Und eines Tages, vielmehr - eines Nachts...
Angst vor der Geburt und freudige Erwartung mischen sich zu einem Gefühl, was im Bauch kribbelt. Am 28.4.1994 hab ich einen echten Vorgeburtskoller. Tränen, Traurigkeit und Angst. Und die Hoffnung, das es bald so weit ist. Und als das alles mal draußen ist, hab ich das Gefühl, jetzt kanns losgehen. Daraufhin mache ich beim Gummitwist auf einem Geburtstag mit. Am nächsten Tag eine kleine Radtour ins nächste Dorf zum Eisessen. Der Klinikkoffer wird noch mal neu gepackt, das Bettchen bezogen, alles ist bereit. Und eines Tages, vielmehr - eines Nachts...
CTGs (Cardio-Toco-Graphen)...
... auch Herzton-Wehen-Schreiber genannt, sind Geräte, mit denen sowohl die Herztöne des Kindes als auch die Wehen der Mutter aufgezeichnet werden können. Der Frauenarzt begann bei mir in der 31.SSW damit. Bequem hinsetzen, Zeitung nicht vergessen, Ultraschallsensor und Wehenfühler montiert und die Uhr auf 30 Minuten gestellt. Kein Problem. Ein leises, gleichmäßiges Poch-Poch zeugte vom Wohlbefinden meines Babys. Wehen waren bis dato nicht vorhanden. In der 34. Woche war wieder ein CTG-Termin angesetzt; bequem hinsetzen, Zeitung nicht vergessen, Ultraschallsensor montieren, --- aber da war nichts. Nicht das vertraute Poch-Poch auf das ich wartete. Die Sprechstundenhilfe schob den Knopf über meinen Bauch, mehr Gleitmittel, sucht und lauschte. Nix! Mir wurde heiß und kalt. Sie drehte und schaltete am Gerät herum, doch noch immer war nichts zu hören. Ein hilfloses Grinsen ihrerseits. "Na, wo ist es denn?" Nach einigen Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, rief sie den Arzt. Mir war mittlerweile alles in die Hose gerutscht. Ich schickte mehrere Stoßgebete gen Himmel, dass es meinem Baby gut gehen möge. Der Arzt rückte und drückte fachmännisch an meinem Bauch herum und erfühlte, wie das Kleine lag. Er setze wieder das Mikro an und - siehe da - Poch-Poch - da war's. Puuh, so ein Schreck!
Geburtsvorbereitung
Diese fand in dem Krankenhaus statt, in dem ich auch entbinden wollte. Und zwar in einem Raum, in dem viele Matten und Decken lagen. Eine Menge werdender Mamis mit mehr oder weniger dicken Bäuchen traf sich dort. Die meisten waren zum ersten Mal schwanger. Und hatten natürlich, wie ich, keinen blassen Schimmer, wie eine Wehe, geschweige denn eine Geburt sich anfühlt. Das große Mysterium stand mitten im Raum. Alles drehte sich darum. Aber auch die Mamis, die's schon mal hinter sich hatten, konnten sich nicht mehr recht erinnern, wie sie das empfunden hatten. Es tat weh. So weit war man sich einig. Ein bisschen oder ziemlich sau-weh. Da gingen die Meinungen doch stark auseinander. Und fragte man sie nach Einzelheiten, wurde es völlig chaotisch. Bei jeder Frau war es irgendwie anders verlaufen. Es schien, als gäbe es in diesem Bereich keine Gesetzmäßigkeit. Doch - ein gemeinsamer Nenner konnte gefunden werden. Alles sei hinterher sofort vergessen oder doch zumindest zweitrangig. Nun denn, wir wollten es abwarten. In den ersten Stunden waren wir Frauen ohne Partner gekommen. Wir erfuhren von den Hebammen, wie eine "normale" Geburt aussah, wie man den Damm auf die Geburt und die Brust aufs Stillen vorbereiten sollte, welche Ernährung angebracht sei, wie die Möglichkeiten der Schmerzlinderung aussähen und so fort. Dann wurde richtiges Atmen und Entspannen geübt. Beim Atmen schnauften wir wie die Dampfloks und hielten das für ein übertriebenes Späßchen. Ich hätte nicht gedacht, dass das in der Praxis so aussehen würde. In den späteren Stunden waren auch unsere Partner anwesend. Mit ihnen zusammen übten wir Massagetechniken, Hechelatmung und das Pressen. Diffuse und konfuse Erklärungen über den Charakter einer Presswehe wuselten durch den Raum. Die Hebamme erklärte sie als 'kräftige Wehe mit Druck auf den After' - nachher wußte ich was sie meinte: das Gefühl, eine Melone kacken zu müssen trifft es eher! Auf jeden Fall wurde geübt. Luft holen, Kinn auf die Brust, Rücken rund - und pressen. Wir sollten allerdings nur ganz leicht in den Bauch pressen. Eine presste wohl ein bisschen zu arg. Sie stiess einen erschrockenen Laut aus und saß plötzlich in einer Wasserlache. Kommentar der Hebamme: "Ihre Fruchtblase ist gerade geplatzt. Haben Sie Ihren Koffer dabei?" Die Frau nickte und wurde ein bisschen panisch. Ihr Mann düste auch schon los und holte den Koffer aus dem Auto. Bis der wiederkam, stand eine fahrbare Trage bereit, mit der sie in den Kreisssaal geschuckelt wurde. So, da konnte es ja losgehen. Wir anderen waren teils ein wenig neidisch, teils aber auch froh, noch eine Gnadenfrist zu haben.
Ich genoss diese Abende sehr. Die Fahrten dorthin, in der Abendsonne, immer mit der Vorfreude auf unser Baby im Bauch. Ich fühlte mich einfach zufrieden und wohl.
Ich genoss diese Abende sehr. Die Fahrten dorthin, in der Abendsonne, immer mit der Vorfreude auf unser Baby im Bauch. Ich fühlte mich einfach zufrieden und wohl.
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