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... dieser Blog erzählt von Schwangerschaft, Geburt und der ersten Zeit mit dem Baby. Er berichtet von Erwartungen und Ängsten, Freude und Schmerz. Er möchte zum Nachdenken, Schmunzeln, Entspannen und Hinspüren anregen. Vielleicht kann er auch die eine oder andere Sehnsucht nach emotionaler Information stillen oder die Wartezeit aufs eigene Baby versüßen. Auf jeden Fall aber möchte er Gefühle und Gedanken weitergeben, Ängste nehmen und das ganze Glück ausdrücken, welches eine Mutter beim Schwangersein, Gebären und Stillen empfinden kann. Eine Geschichte, an der auch noch so viel Emanzipation nichts ändern kann. Zum Glück!

Sonntag, 16. Juli 2017

Das kleine Kind ist groß!

Mein lieber Tom,

im Gegensatz zu Deiner Schwester, die sich ruhig wie ein warmer Frühlingsregen ins Leben wehte, erblicktest Du früh morgens, plötzlich wie ein unerwartetes Sommergewitter, das Licht der Welt. So schnell wie es kam wars auch schon vorbei. Wild, kurz, heftig und ohne Rücksicht auf Verluste. 4 kg Lebendgewicht mit einem unfassbaren Appetit und nahezu unstillbarem Nähebedürfnis. Und schrecklichem Bauchweh. Du hast alle Klischees, die man den kleinen Jungs nachsagt, bedient. Dazu gehört aber auch eine wilde Liebe, ein trotziger Wille und ein unwiderstehlicher Charme (dem hast Du vermutlich zu verdanken dass es nicht ab und zu schlimmer endete). Du hattest lange Welpenschutz und nun bist Du groß.
Vieles war mühsam - aber alle Mühe hat sich gelohnt. 
Jede Stunde mit Dir an der Brust, jede Nacht die wir dich durch die Wohnung geschleppt haben, jeder Tag an dem wir uns aneinander gerieben haben, jede Übernachtung außer Haus die Du vorzeitig beendet hast, - und oft hab ich Dir und mir gesagt: Du wirst auch groß werden - irgendwie.
Wir haben so vieles zusammen durchgestanden. Kindergartenangst und Schulstress, Verluste auf allen Ebenen, und ich habe Beyblades, Pokemon und Yu-gi-oh Phasen überlebt. Naruto und DragonballZ. [… Gib niemals auf ich weiss das Feuer brennt in Dir …. bald hast Du Dein Ziel erreicht …]

Ich hab immer versucht mich in Deine Welt zu versetzen und es ist so schön dass Du mich reingelassen hast. Wenn wir heute zusammen bei 5 Grad Cabrio fahren und laut Musik hören, Du mich um Rat fragst und mir von Deinen Gedanken erzählst bin ich mir sicher, dass sich all unsere kleinen und größeren Kämpfe gelohnt haben. Und wenn wir in zwei Wochen wieder zusammen auf Wacken rocken bin ich froh dass ich dabei sein darf. Und das Twisted Sisters Concert wird mir in ewiger wundervoller Erinnerung bleiben. Das war nur für uns. 





Du liebst wie das Feuer, leidest wie die Hölle, schimpfst wie ein Rohrspatz,  und freust Dich noch immer wie ein Kind und Du hast ausreichend Mut das jeden wissen zu lassen.

Mit bestandenem Realschulabschluss, Führerschein und einem ordentlichen Zeugnis aus der 11. Klasse wirst Du nun tatsächlich volljährig. Da soll man nun über Nacht erwachsen werden  o.o  

Natürlich wird man das nicht! Das wird man im besten Fall nie!



Keep your nose down when you win, keep your head up when you lose!

Donnerstag, 16. Juli 2015

Das zweite Kind ...

Lieber Tom,


der Blogeintrag den ich zu Mines 18. Geburtstag geschrieben habe fiel mir gerade in die Finger, und wenn Du nun auch erst 16 wirst, kommen mir so viel Gedanken, die ich aufschreiben und mitteilen will.

Vor wenigen Tagen ist ein Mädchen in Deinem Alter durch einen tragischen Unfall gestorben. Wir kannten sie nicht, aber wenn man die Einträge auf ihrer Facebookseite liest kommen einem die Tränen. 

Ein lebensfrohes, lustiges Mädel, mitten aus dem Leben gerissen. In Anbetracht dieser Tragödie wird vieles so unbedeutend. 

Ja, Du warst ein anstrengendes Baby. Mit so vielen Bedürfnissen. Wie hab ich mich danach gesehnt auch nur mal 3 Stunden am Stück schlafen zu dürfen. Wie froh wäre ich gewesen, wenn Du vor dem Schlafen mal nicht stundenlang vor Bauchweh geweint hättest. Wir haben harte Zeiten erlebt. Die Trennung, den Tod von Oma Lilo, Opa Rudi, Opa Uli … alles Menschen die Dir so viel bedeutet haben. 

Immer mal wieder aufgeschlitzte Füße vom Puddeln im Lückebachteich, gebrochene Arme, Füße, ausgerenkte Schultern, Streptokokkeninfektionen, ich hab Dich kilometerweit früher im Tragetuch und später huckepack getragen, weil du einen Rollstuhl entwürdigend fandest, übers Holy Wacken Land geschleppt, nachdem Dich die Sanitäter versorgt hatten.

Hab Dich zu den unmöglichsten Zeit an den unmöglichsten Orten abgeholt, mit Dir Burger und Bratwoscht gegessen, hab immer versucht, Deine manchmal ungewöhnlichen Eigenheiten zu verstehen. Und siehe da … es wurde mit den Jahren immer besser.

Aus dem Baby-Bauchweh-Geplärre wurde „ich habe Angst und Bauchweh“ , aus dem Nicht-Ohne-meine-Mama-Gejammer ein „ich bin einfach am liebsten zu Hause“. Aus dem ich-will-nur-Brust-und-Milch-und-Leberwurscht-Baby wurde „Ich esse alles so lange es nicht grün ist und knackt wenn man draufbeißt“.

Mittlerweile sind wir froh, wenn Du nicht zu übermütig oder gar leichtsinnig bist, dann und wann überhaupt zu Hause bist, und der Kühlschrank genug hergibt um Dich nach dem Fitnesstraining ausreichend satt zu bekommen.

Dein Papa und ich haben trotz aller Sorgen immer versucht Dir und Mine Eltern zu sein, auf die man sich verlassen kann. Euch trotz Trennung die Möglichkeit zu geben Familie zu spüren. Haben es hoffentlich geschafft, Euch bei der Gratwanderung zwischen „Da muss man durch!“ und „Das muss man sich nicht antun!“ zu helfen. 

Und morgen wirst Du 16. Die Zeit ist verflogen. In manchen durchwachten Fieber- oder Bauchwehnächten war ich mir nicht sicher ob es irgendwann wieder leichter werden würde. Dennoch habe ich mantramäßig, während ich dich im Fliegergriff durch den Flur schuckelte, „du wirst auch irgendwann groß werden!“ wiederholt. Du bist tatsächlich groß geworden.


Wir lieben Dich

 

 


Freitag, 4. Mai 2012

Ach Du liebe Zeit...


da ist er nun, der Moment, den man als Mutter ebenso herbeisehnt wie ganz weit weg wünscht. Das erste Kind weitestgehend unfallfrei so groß gekriegt, dass man es für halbwegs überlebensfähig hält. Morgen wird mein Baby 18. Da ich aber morgen a) alle Hände voll zu tun haben werde und b) meinen Kopf frei haben muss, schreibe ich mir heute schon mal meine wehmütigen Gedanken von der Seele. Heute vor 18 Jahren hatte ich einen dicken Bauch und einen ebenso dicken Sack voller Illusionen im Kopf. Wünsche und Träume. Das meiste kam anders - das Wichtigste aber hab ich geschafft: Das Leben mit meiner Tochter immer genossen, ihr Mutter, Freundin, Seelenmülleimer, gutes und schlechtes Beispiel gewesen. Man fragt sich ja schon: Hab ich ihr alles mitgegeben, was sie braucht? Hat sie genug Bodenhaftung, um nicht abzuheben? Aber hat sie auch alles, um ihre Flügel auszuprobieren? Jemand hat mir gesagt: Du hast ihr MUT beigebracht - das ist das Wichtigste, den Rest muss sie selber lernen! Ja - und ich hab ihr beigebracht, dass man das Leben geniessen muss. Jetzt. Keiner weiss, ob wir eine nächste Chance haben. Ich habe ihr Pragmatismus vorgelebt, Offenheit und Toleranz, eine Spur von Irrsinn und kreativem Chaos, versucht ihr den Unterschied zwischen "da muss man durch" und "das muss man sich nicht antun" zu erklären, ich habe Herzenswärme, Liebe und Eis essen über geputzte Wohnung und gemähten Rasen gestellt. Ich hab ihr gezeigt, dass Frauen tapezieren, Möbel zusammenbauen, Holz stapeln, Wohnmobile bei ebay ersteigern, mit dem Rucksack und dem Zelt nach Wacken fahren, Computer, Handys und ähnliches instalieren können... ich hab ihr aber auch gezeigt, dass man 17 mal über eine dreckige Jeans steigen kann, bis man sie in die Wäsche gibt, dass Fenster erst dann geputzt werden müssen, wenn trotz scheinender Sonne Dauernebel in der Wohnung ist, dass man die Feste feiern muss wie sie fallen, nötigenfalls auf Umzugskisten sitzend, dass Freunde hier immer wilkommen sind und einen Schlafplatz bekommen, auch wenn wir keinen 4-Sterne-Comfort bieten können, dafür aber Katzen, einen warmen Ofen, handgenähte Zudecken, Nudeln oder Milchreis, Kaffee bis zum Umfallen und einen Internet-Zugang. Hier wohnen Gitarren und Bücher, Mittelalterutensilien neben Cowboystiefeln, Tarotkarten und Edelsteine, Heavy-Metal-CDs neben Countrysongs, Kochbücher und Küchenmaschinen aller Art, vom Thermomix bis zum Pizzaofen.
Ich habe versucht deutlich zu machen, dass man seinen Beruf nach seiner Leidenschaft aussuchen sollte, und nicht nach dem Gehalt. Dass man ausprobieren darf und muss und die Wege des Herrn unergründlich sind. Apropos Herr... hier mischt sich evangelischer Konfirmandenunterricht mit buddhistischen Lehren, Esoterik und biologisch belegbarer Evolution... - was nicht tragisch ist. Die absolute Wahrheit kennt ohnehin niemand. Und die schlimmsten sind die, die genau das nicht akzeptieren... aber ich schweife ab...

Sie hat eine ambulante Geburt (wo man der frischgebackenen Mutter das erste Mal Wahnsinn attestierte) Blähungen, Masern und zwei mal Zähnekriegen überlebt, Kindergarten, Grundschule und Reiterhöfe unsicher gemacht, unzählige Urlaube mit ihren Eltern überstanden, die erst an der Auffahrt Fernwald entschieden, ob es nach Oberstdorf im Allgäu oder nach St Peter Ording an der Nordsee gehen sollte, sie lernte Fahrradfahren und Schwimmen, schlug sich das Kinn auf, brach sich den Arm, verlief sich in der Stadt und verpasste den Bus. Sie quälte sich mit Liebeskummer und weiblichem Zickenkrieg, sie lernte Nudeln kochen und Kuchen backen, sie lernte, sich einen Job zu suchen, und Auto zu fahren. Und nun ist sie groß!

Ich bin wehmütig. Aber ich bin auch stolz. Ich habe jeden einzelnen Tag mit ihr genossen! Und wir gehen auch 2050 noch zusammen auf Wacken...

KEEP ON ROCKING, MINE!


Sonntag, 15. April 2012

Samstag, 11. Februar 2012

Nachwort

Dieser Blog ist eine in sich geschlossene Sache. Hier wird nichts mehr dazu kommen, denn all das was ich hier geschrieben habe, ist fast 20 Jahre her. Zwischen damals und heute liegt so viel, dass ich nicht nahtlos anknüpfen kann. Eine Ausbildung zur Hebamme, ein zweites Kind, 13 Jahre Freiberuflichkeit und so viele Erlebnisse, die mein Leben geprägt haben ... aber natürlich werde ich niemals aufhören zu schreiben...

Der Storchenblog
Der Quiltstorch
Meine Metallerseele
Mein Hexenhaus und ich

"Time keeps painting, my Darling..."


Donnerstag, 2. Februar 2012

Eine lange Zeit

und doch so schnell vergangen!

 

  


Auf zu neuen Ufern...

Knapp vier Jahre wohnen wir jetzt hier, ein ganzes mit unserer Jasmin! Unsere Wohnung ist eng geworden. Jasmin, ein kleiner Mensch mit eigenen Gedanken, vielen Spielsachen und Freiheitsdrang bekommt nun ihr erstes eigenes Zimmer. Von nun an wird sie alleine in ihrem Zimmer schlafen. Sie wird nicht mehr wach werden, wenn ich im Stockfinsteren über einen Wäschekorb falle oder wenn Thorsten einen Hustenanfall kriegt. Sie wird aber auch nicht das vertraute Atmen und Reuseln neben sich hören. Sie wird nach einem schlimmen Traum nicht sofort in Mamas Bett fallen können. Vielleicht dauert es einen Augenblick, bis ich sie aus ihrem Zimmer rufen höre. Es sind so viele Abschiede, die man geschehen lassen muss! Das Loslassen beginnt schon mit der Geburt und geht unaufhaltsam weiter. Sie hat bereits ihren eigenen (Dick)-Kopf und bringt mich ganz schön an meine Grenzen. Ich muss akzeptieren, dass wir manchmal nicht einer Meinung sind und wir müssen Kompromisse finden. Sie versteht schon eine Menge von dem was wir sagen, sie isst mit uns am Tisch und ist ein vollwertiges Familienmitglied geworden.Sie kann bereits alleine stehen und wird sicher bald laufen. Wir haben kein Baby mehr! Wir haben ein Kleinkind, das Aufmerksamkeit und Zuwendung, aber auch Vertrauen und Freiheit fordert. Wie schnell wird es gehen, bis sie in den Kindergarten kommt. Wir werden die Zeit geniessen, die wir miteinander leben dürfen, einfach in den Tag hinein, ohne Zwang, ohne Termine!



Die Zimmer werden schon langsam leer. Der Umzug wirft seine Schatten voraus. Die neue Wohnung warte auf uns. Doch ich bin halt nicht so gut im Loslassen. Stand heute in meiner alten Küche. Wieviele Kuchen hab ich dort gebacken, wieviele Sonnenuntergänge beobachtet, wie oft die Tür hinter mir zugemacht, wenn ich traurig oder wütend alleine sein wollte. Wie oft Berge von Abwasch nach unzähligen Partys gespült, wie oft Mittagessen gekocht. Über hundert Postkarten hängen an den Wänden. So liebgewordene Kleinigkeiten. Meine erste eigene Küche - ich werde Dich nie vergessen! Immer diese Heulerei. Da sitze ich am Computer und nehme Abschied. Im Wohnzimmer samt Balkon, mit Blick auf den Grillplatz. Ob wir noch ein bisschen dazugehören werden? Wir ziehen ja nur ein Haus weiter. Ja, der Balkon, so viel Wäsche aufgehängt, besonders als das Baby ganz frisch war. Die Sommerabendluft noch in der Nase. Im Wohnzimmer die Erinnerung an den ersten Abend hier im Haus, in der ersten eigenen Wohnung mit Liane und Schera, an große Feten und den ersten Morgen mit Jasmin. Erleichtert und glücklich und müde auf der Couch. Die gemütliche Ecke wo der PC steht, an dem ich unzählige Stunden verbracht habe. Unser Schlafzimmer. Gedanken an Liebe und Ruhe. Hier haben wir Jasmin 'gemacht'! Hier haben wir Nächte durchwacht, sie in den Schlaf gewiegt, Hier hab ich mit ihr geweint, wenn wir alle nicht mehr konnten... und dann konnten wir doch! Und dann noch das Bad, in dem ich mich ach so oft hübsch gemacht habe, meinen wachsenden Bauch und später die Schwangerschaftsstreifen betrachtet habe.
Ja, das ist alles vorbei! Es geht weiter! Anders! Wir drei sind sehr dankbar für diese Räume, in die wir uns wann immer wir wollten zurückziehen konnten. Dankbar für all das Schöne und auch manchmal Schwierige. Dankbar für die neue Chance, als richtige Familie in die neue Wohnung einzuziehen!

Morgen gehts los!